Zugegeben, solche Anstrengungen nimmt man nicht jedes Wochenende in Kauf. Da die meisten Timtoo-Strecken im Wallis und Tessin eingerichtet sind muss man auch lange Anfahrtswege mit dem Auto oder Zug in Kauf nehmen. Aber dafür kann man gleich mehrere Strecken befahren.
Im Wallis/Waadt gibt es gleich 6 Strecken, die ganz dicht beieinander liegen:
- Aigle-Leysin (16km, die letzten 5km mit Zeitmessung)
- Monthey-Morgins (14km)
- Ollon-Col de la Croix (18km)
- Ollon-Villars (10km)
- Villars-Col de la Croix (8.5km)
- Vionnaz-Torgon (12km)
Da die Wetterprognose für das Tessin unbeständig war, entschieden wir uns fürs Wallis. Da der Anfahrtsweg sehr weit ist, beschlossen meine Frau und ich im Greyerzerland Halt zu machen, sodass sie den See umfahren könne.
Bulle war somit der Ausgangspunkt, um nach Aigle zu gelangen. Im Hinterkopf die 3 Timtoo-Strecken Leysin, Torgon und Morgins zu fahren, fuhr ich um 11.20 Uhr los, Richtung Châtel St. Denis.
Erstaunend stellte ich fest, dass ich Rückenwind hatte. Bis nach Denis hatte es ein paar kleine «Wellen», ansonsten war es flach bis leicht steigend. Beim fast kraflosen Treten zeigte das Tacho schon 38km/h an, das stachelte mich an, so richtig in die Pedalen zu stampfen. Lenker unten haltend, konnte ich das wunderschöne Greyerzerland mit Tempo 47-52 bewundern. So macht das Radfahren so richtig Spass!! (bis zur nächsten «Welle»....)
Nach Châtel St. Denis (noch 16km bis nach Vevey) gehts langsam aber sicher bergab. Bei KM 25 hat man einen wunderschönen Blick auf den Genfersee. Bei klarer Sicht auch auf die Berge. Gleich danach ist rechterhand eine Ausweichstelle, an der man anhalten soll und den Blick in sich aufsaugen sollte. Von da ab lässt man es 8km bis nach Vevey sausen. In den Rebbergen drin, etwa 2km vor Vevey hat man auf einen Grossteil des Genfersees einen atemberaubenden Blick.
In Vevey angekommen, zeigte das Tacho 33km an, Schnitt: 36.8km/h Route
Entlang des Genfersees nahm ich es dann etwas gemütlicher, vom See her wehte auch eine frische, kühle Bise, aber mit 20 Grad lässt es sich angenehm dahinrollen, mit leichtem Seitenwind. Bei KM 44 erreicht man das Schloss Chillon. (Viele Japaner mit Fotoapparaten)
Starker Rückenwind Richtung Martigny; mit Schwung nach Leysin
Ab Villeneuve fährt man südwärts Richtung Martigny. Da hat man nachmittags Rückenwind.
In Aigle angekommen brachte ein Brunnen im Schatten Abkühlung, die Bidons konnten wieder aufgefüllt werden. 62 km waren abgespult, der Durchschnitt lag immer noch bei 33.5km/h.
Kaum in der Steigung drin, merkte ich auch hier: Rückenwind. Leichtfüssig erklomm ich Höhenmeter um Höhenmeter. Ich machte mir gar keine Gedanken, dass ich noch ein «Bergzeitfahren» vor mir hatte. 2 Baustellen mit Rotampeln sind zu durchqueren, an einer Stelle hat sich die Strasse abgesenkt. Dunkle Wolken zogen auf, genau in meiner Fahrtrichtung war es ziemlich schwarz. Nach 10km könnte man weiterfahren zum Col de Mosses, nun gehts aber links Richtung Leysin. In der nachfolgenden Linkskurve fängt dann auch die Timtoo-Zeitmessung an. Leider findet man keinen Hinweis dazu, dass hier etwas Besonderes anfängt.
Bis dahin hatte ich schon 72km in den Beinen und ein Schnitt von 29km/h.
Die ersten beiden Kilometer sind die steilsten, bis die Strasse etwas weniger steil wird, dann sogar etwas flacher, man möchte hier fast ins grosse Kettenblatt wechseln, dann sogar eine kleine Abfahrt die ins Dorf einmündet. Mit Schwung gehts dann in die Schlusssteigung durchs Dorf Richtung Tourismusbüro. Auf der Swiss-Cycling Seite muss man wirklich das Finish-Bild einprägen, um zu wissen, wohin man fahren muss. Das schwarze Haus sieht man aber von weitem, an dem man sich orientieren kann. Mit einem Schlussspurt beendete ich meine erste Timtoo-Strecke.
Zweite Timtoo-Strecke nach Morgins
Schon 14.30 Uhr, wollte ich doch noch nach Torgon rauf und um 16.30 Uhr in Morgins sein.
Wieder in Aigle unten angekommen, merkte ich dass Torgon nicht machbar ist, so entschied ich mich gleich nach Monthey zu fahren. Auf der Suche nach einem Veloweg habe ich mich dann sogar etwas verfahren...
Aber ich hatte ja noch Zeit. In Monthey angekommen, muss man nach Monthey Est fahren, zum Bahnhof (gut ausgeschildert) Am Bahnhof sollte man sich nochmals mit Nachschub versorgen, sich zu stärken. Wieder in der Hauptstrasse (Wegweiser Morgins) durchfährt man einen Kreisel und gleich danach fängt auch schon die Timtoo-Zeitmessung an. (Rosa-Haus mit der Aufschrift Pesse Meubles). Mit 118km in den Beinen gingen die ersten 5km noch ziemlich locker, zumal ich wieder vom Rückenwind Unterstützung hatte. Ab dem sechsten Kilometer musste ich kleiner schalten, das war der «Todesstoss». Anfänglich noch mit 11-12 tretend, fiel der Tacho unter die psychologisch wichtige 10, ja sogar 9km/h. Die Tritte wurden schwerer, noch hatte ich 8km zu fahren. Wie komm ich bloss oben an, schoss es mir durch den Kopf. Alles tat mir weh, konnte kaum noch fahrend aus dem Bidon trinken; mach mal ne Pause dachte ich mir und stieg vom Rad. Kurz die Muskeln lockern, etwas rumlaufen, viel Trinken und weiter gehts. Nach dieser 3minütigen Pause hatte ich wieder Energie, die aber nach weiteren 4km zur Neigung ging. Noch 3km wären zu fahren, laut Tacho; erneutes Absteigen zum Durchschnaufen. Oh, fast kein Wasser mehr im Bidon und kein Brunnen in Sicht. Nach weiteren 3 Minuten raffte ich mich wieder auf. Nur noch zwei Kilometer. Was sehen meine Augen, ja es wird flach! Und tatsächlich, die Steigung hatte ich geschafft. Nun gings nur noch flach bis Morgins. Eigentlich könnte man da wieder Zeit gutmachen, aber ich war so kaputt, dass ich nicht mehr als 24km/h schaffte. Aus meinen verklebten salzigen Augenrändern erblickte ich auch schon linkerhand, das Hotel mit den vielen Landeswappen, das ist der Finish von Morgins.
Ja, so ausgelaugt war ich schon lange nicht mehr.
Die Fakten: 135 km in 5.10 Stunden, Schnitt 26km/h
Ausklang des Tages
Mit dem Auto fuhren meine Frau und ich weiter Richtung Frankreich ins Dorf Chapelle d'Abondance (10km), um mich dort umzuziehen und etwas feines zu essen. Ein reichhaltiger Fleisch, Wurst, Käseplatte-Teller war genau das richtige.
Abends fuhren wir wieder zurück zum Pas de Morgins. Mein Chip war immer noch aktiv hinten im Auto im Rucksack verstaut. Ich wusste nicht, dass diese Strecke auch eine Timtoo-Strecke ist, wo der Start war schon gar nicht.
Zuhause angelangt entdeckte ich in der Streckenauswahl, dass dem so ist. Mit Erstaunen konnte ich feststellen, dass ich da die absolute Bestzeit gefahren bin. Ha, Ha, Ha.
Ja, so kanns gehen. In solchen Situationen muss man die Batterie aus dem Chip nehmen, um ihn inaktiv zu machen.
Fazit: Eine wunderschöne Tour mit vielen Eindrücken. Nur die Autofahrt (510km) ist halt schon sehr weit. Man kann dies auch mit einer Übernachtung verbinden, was sich lohnen kann.